Krankenhausführer Sachsen

Alle Ergebnisse: Gallenblasen-Entfernung

Die einen tragen sie ein halbes Leben mit sich herum, ohne es zu wissen. Bei anderen lösen sie unerträgliche Schmerzen aus: Gallensteine. Typische Anzeichen einer Kolik sind heftige Schmerzen im mittleren oder rechten Oberbauch, zuweilen gepaart von Übelkeit und Erbrechen. Bei Schmerzen raten Ärzte grundsätzlich dazu, die Steine samt Gallenblase schnellstmöglich zu entfernen.

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Diagnose: Entfernung der Gallenblase

Gallenblase
Grafik: Fotolia/Sebastian Kaulitzki

Wie am Strand sieht es in mancher Gallenblase aus: Steine über Steine. Manche sind nur wenige Millimeter groß, krümelig und gelb wie Sand. Andere bringen es auf vier, fünf Zentimeter im Durchmesser und glänzen grün oder schwarz. Doch die Schönheit täuscht: „Gallensteine können zu starken Schmerzen führen“, sagt Dr. Wolfgang Wendt. Der 48-Jährige arbeitet seit zehn Jahren als Oberarzt am Dresdner Diakonissenkrankenhaus und hat sich auf Bauchchirurgie spezialisiert. Hier erklärt er, wann die Steine entfernt werden sollten und warum das schlimmer klingt, als es wirklich ist. 

Wie häufig kommen Gallensteine vor?

Schätzungen gehen davon aus, dass jeder fünfte Mensch Steine hat. Die gute Nachricht: „Die meisten Gallensteine bereiten keine Beschwerden und werden nur zufällig entdeckt.“ Von denen, die Gallensteine haben, klagt nur etwa jeder Vierte über Schmerzen. Die lassen sich allerdings nur durch eine Operation beseitigen. In Sachsen gab es im vorigen Jahr 8 170 Ops, im Jahr davor waren es reichlich 200 mehr. 

Wer leidet unter Gallensteinen?

Ob Jung oder Alt: Sicher ist davor niemand. Am häufigsten treffe es Menschen in der Mitte ihres Lebens, also in den Jahren zwischen 30 und 55, erzählt Wolfgang Wendt. Wenn Ärzte die Personengruppe mit dem höchsten Erkrankungsrisiko beschreiben, sprechen sie von den fünf "F": Frauen: Statistisch gesehen kommen drei erkrankte Frauen auf zwei erkrankte Männer. „Es ist nicht klar erforscht, ob Hormone dafür verantwortlich sind“, sagt Wendt. Fruchtbarkeit: Wenn Frauen Kinder geboren haben, steigt das Erkrankungsrisiko. Familie: Die Veranlagung zu Gallensteinen wird von Eltern oder Großeltern an die Nachkommen vererbt, und zwar mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit. Bisweilen würden auch ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten der Eltern übernommen. Fett: Der westliche Lebensstil mit zu viel fettem Essen und zu wenig Bewegung fördert die Erkrankung. Fahl: Hellhäutige Menschen wie wir Europäer haben öfter Gallensteine als farbige Personen.

Woran bemerkt man die Erkrankung?

Typisch sind starke krampfartige Beschwerden am Oberbauch nach einem fetten Essen. Die Schmerzen sind manchmal so heftig, dass sie bis in den Rücken ziehen. Ärzte sprechen dann von einer Kolik. Vor allem zur Weihnachtszeit steigt das Risiko, wenn ohne Rücksicht auf Fett und Kalorien geschlemmt wird. 

Warum sind Gallensteine überhaupt gefährlich?

Die Schmerzen sind bei vielen Patienten so stark, dass sie sie kaum aushalten. Ohne Behandlung kehren die Koliken immer wieder. Außerdem kann sich der Gallensaft in der Leber zurückstauen. In seltenen Fällen ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse möglich. Auch kann die Gallenblase platzen, was wiederum zu einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung führen würde. Ein großer Gallenstein kann über eine Entzündung in den Darm wandern und diesen verschließen. 

Wie stellt der Arzt fest, ob es sich um Gallensteine handelt?

Die Standard-Diagnostik erfolgt durch Ultraschall. Außerdem wird dem Patienten Blut abgenommen, damit das Labor die Leberwerte prüfen kann. Nicht immer sind die Beschwerden typisch. Wenn sich der Arzt bei der Diagnose unsicher ist, ordnet er eine Magenspiegelung an.

Wie werden Patienten mit Gallensteinen behandelt?

„Wenn jemand typische Beschwerden hat, rate ich zu einer OP. Sonst gehen die Gallensteine nicht weg“, sagt Oberarzt Wendt. Das heißt im Umkehrschluss: Ohne Probleme keine Operation, selbst wenn Gallensteine vorhanden sind. Ob diese zwei Millimeter oder vier Zentimeter groß sind, hat nichts damit zu tun, wie groß die Schmerzen sind. Die OP gilt als Standardeingriff, der sehr sicher ist. Dabei wird die gesamte Gallenblase samt Steinen entfernt, was eine Wiedererkrankung verhindert.

Versuche, die Steine zu zertrümmern oder durch Medikamente aufzulösen, werden heute nur noch selten unternommen. Sie gelingen bestenfalls bei sehr kleinen Exemplaren. Aber selbst dann muss der Patient damit rechnen, dass sich Steine immer wieder neu bilden.

Stellt der Arzt eine akute Entzündung der Gallenblase fest, sollte die OP binnen 48, maximal nach 72 Stunden stattfinden. Sie kann einige Monate hinausgeschoben werden, falls die Beschwerden erträglich sind. Befinden sich die Steine im Gallengang, werden sie endoskopisch entfernt: Statt einer OP gibt es eine Magenspiegelung, bei der die Gallensteine mit einem Körbchen aus dem Gallengang herausgeholt werden.

Wie geht es für Patienten nach der Operation weiter?

Nach zwei bis drei Tagen verlässt der Patient das Krankenhaus und bleibt für ein bis zwei Wochen krankgeschrieben. Bei der OP werden die Wunden so genähat, dass keine Fäden gezogen werden müssen. Wenn alles verheilt ist, braucht sich der Patient bei körperlichen Aktivitäten nicht einzuschränken. Oberarzt Wendt erinnert sich an die Achtzigerjahre, als seiner Oma die Gallenblase entnommen wurde: Die Dame wurde mit einem großen Diätzettel entlassen, weder Butter noch Kaffee waren erlaubt. „Heute gibt es kaum noch Einschränkungen“, sagt Wendt. Er rät seinen Patienten allerdings, zwei bis drei Wochen leichte Kost zu essen und zum Beispiel auf Pilze und Kohl zu verzichten. Danach sollten sie sich bei fettigen Speisen zurückzuhalten. Schlagsahne? Bitte wenig. Eisbein? Bitte selten. Man könne auch probieren, wie viel man verträgt. Wenn Bauchschmerzen oder Verdauungsbeschwerden auftreten, dann war es zu viel des Guten. Auch Durchfall ist möglich. Weil das Fett nicht zersetzt wurde, schwimmt der Stuhl in der Toilette an der Wasseroberfläche.

Was kostet die Entfernung der Gallenblase?

Für die Operation und den Klinikaufenthalt des Patienten zahlen die Krankenkassen in Sachsen etwa 2 700 Euro.

Dr. Wendt erklärt die Gallen-OP:

Der Patient kommt ins Krankenhaus und wird am selben Tag operiert. Das geschieht unter Vollnarkose und minimalinvasiv, also ohne großen Schnitt. Zuerst wird die Bauchhöhle mit Kohlendioxid aufgeblähat, damit die Ärzte dort alles sehen können. Die Instrumente werden durch drei bis vier kleine Schnitte in der Bauchwand eingeführt, durch diese wiederum Kamera, Lichtquelle, Schere und Pinzette geschoben. Die Gallenblase wird von der Leber gelöst, Blutgefäße und der Gallenblasengang werden durchtrennt. Mit einem Beutel wird die Gallenblase samt der Steine aus der Bauchhöhle herausgezogen. Nach einer Dreiviertelstunde ist der Eingriff in der Regel vorbei. Wer mag, kann die eigenen Gallensteine mit nach Hause nehmen.

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