Krankenhausführer Sachsen

Mit 91 noch eine neue Hüfte?

Künstliche Gelenke können Patienten zu einer neuen Lebensqualität verhelfen. Beim SZ-Telefonforum erklärten Experten Möglichkeiten und Grenzen.

Leserforum
Sie tauschten zwei Stunden lang die OP-Instrumente mit dem Telefon: Dr. Michael Theusner (Dresden-Friedrichstadt), Dr. Wolf-Christoph Witzleb (St. Joseph-Stift Dresden, Dr. Thomas-Peter Ranke Hohwald-Klinik) und Dr. Roger Scholz (Collm-Klinik Oschatz/v. l.).

Foto: xyz

Meine Mutter ist 91 Jahre alt und hat seit neun beziehungsweise 15 Jahren künstliche Hüftgelenke. Nach mehreren Stürzen wurde beim Röntgen eine Lockerung der Gelenke festgestellt. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für meine Mutter?

Grundsätzlich ist auch in diesem Alter eine Wechsel-OP möglich. Ansonsten kommt noch eine Schmerztherapie infrage, die aber die Beschwerden nicht vollständig lindern kann. Ehrlicherweise muss man dazu sagen, dass ohne OP eine dauerhafte Gehfähigkeit nicht mehr gegeben ist.

Vor drei Jahren wurde bei mir eine Arthrose des Hüftgelenks festgestellt. Ich kann noch mehrere Kilometer gehen. Gelegentlich habe ich Schmerzen, nehme allerdings keine Schmerzmittel. Muss ich mich operieren lassen?

Nein. Zunächst ist ein Röntgenbild notwendig, um die Diagnose zu bestätigen. Man sollte sich nicht prophylaktisch operieren lassen, weil ein Eingriff immer mit einem gewissen Risiko verbunden ist. Die wichtigsten Gründe für eine OP sind die Einschränkung der Lebensqualität und der Eigenaktivität sowie eine dauerhafte Einnahme von Schmerzmedikamenten. Auch sehr starke Bewegungseinschränkungen können eine OP erforderlich machen.

Ich bekomme demnächst eine Hüftendoprothese. Wann kann ich wieder arbeiten gehen?

Das hängt ganz von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab. Wenn Sie im Büro arbeiten, müssen Sie etwa ein Vierteljahr pausieren. Bei schweren körperlichen Tätigkeiten ist man schon mal ein halbes Jahr außer Gefecht. Es gibt aber auch Selbstständige, die schon nach 14 Tagen wieder im Job sind.

Ich bin 71 Jahre alt und leide – neben meinem Hüftschaden – an Osteoporose. Im Krankenhaus wurde mir ein zementfreies Implantat empfohlen. Was raten Sie?

Nicht jeder Patient, der unter Osteoporose leidet, muss unbedingt zementiert operiert werden. Das zementfreie Implantat hat den Vorteil, dass es ohne Zwischenschicht direkt in den Knochen eingebunden wird. Es muss aber vom Knochen festgewachsen werden. Dazu ist eine gute Knochensubstanz notwendig. Andernfalls sollte der Knochen mit dem Knochenzement – einem Plastikwerkstoff – unterstützt werden. Häufig werden beide Methoden kombiniert.

Ich bin 86 und leide unter einer fortgeschrittenen Arthrose. Allerdings möchte ich mich nicht operieren lassen. Was raten Sie mir?

Wenn Sie Angst vor einem Eingriff haben, können Sie den Schmerzen nur mit konservativen Methoden entgegenwirken. Dazu gehören Schmerzmittel, Gehstock und eine Reduzierung der Belastung. Man kann ein lokales Schmerzmittel und entzündungshemmendes Medikament in die Hüfte spritzen. Das hilft manchmal eine gewisse Zeit. Ist die Arthrose weit fortgeschritten, gibt es kaum Alternativen zur OP.

Ich bin 58 Jahre alt und leide seit meiner Kindheit an einer Hüftdysplasie. Ich habe gehört, dass die OP technisch anspruchsvoll ist. Was bedeutet das?

Generell stimmt die Aussage: Bei Dysplasie ist der Eingriff oft technisch aufwendiger, aber es gibt eine Vielzahl an Operationsmöglichkeiten. Probleme kann es beim Festmachen der Gelenkpfanne geben. Oft muss die Pfanne mit Knochen unterfüttert werden. Das kann bedeuten, dass das Bein bis zu einem Vierteljahr nicht voll belastet werden kann. Ein weiteres Problem ist die Fehlstellung des Oberschenkelknochens. Für solche Ops sind ein auf diesem Gebiet besonders erfahrener Operateur und unter Umständen spezielle Instrumente und Implantate notwendig.

Ich bin 45 und habe seit einiger Zeit immer wieder einschießende Schmerzen im Hüftbereich, kann aber noch gut laufen. Ist das schon ein Zeichen für Arthrose?

Es kann eine beginnende Arthrose sein, aber auch auf eingeklemmte Weichteile deuten. Stellen Sie sich bei einem Orthopäden vor. Helfen können Physiotherapie, Schmerzmedikamente und gegebenenfalls eine Arthroskopie.

Ich habe Angst vor einer Hüft-OP. Stimmt es, dass es auch Ops gibt, bei denen die Muskeln nicht durchtrennt werden?

Ja, das gibt es. Grundsätzlich sollte jede OP so gewebeschonend wie möglich sein. Der Erfolg hängt aber nicht von der Methode und der Länge des Hautschnitts ab, sondern von der Erfahrung des Operateurs.

Kann eine Hüftoperation auch unter Vollnarkose durchgeführt werden?

Es ist sowohl eine Voll- als auch eine Regionalnarkose ins Rückenmark möglich. Die Entscheidung fällt der Anästhesist in Abhängigkeit vom Wunsch und Risikoprofil des Patienten.

Meine Mutter (79) hat seit 20 Jahren ein künstliches Hüftgelenk und leidet leider auch an Demenz. Inzwischen sitzt das Gelenk nicht mehr richtig, und sie hat große Schmerzen. Vor einer erneuten OP haben wir Bedenken, weil sie anschließend wohl kaum Gehhilfen benutzen wird.

Wir teilen Ihre Bedenken. Für Ihre Mutter ist es das Wichtigste, einen Sturz zu vermeiden – ein Stock ist dabei ein gutes Hilfsmittel. Statt einer OP empfehlen wir eine Schmerztherapie, zum Beispiel mit Schmerzpflaster.

Vor acht Wochen wurde mir ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt. Nach der Reha habe ich rund um das Operationsgebiet immer noch starke Schmerzen und Schwellungen, die mich bei allen Bewegungen und beim Schlafen stark behindern. Laut meiner Physiotherapeutin liegt die Ursache in zwei großen Blutergüssen innerhalb des Gewebes.

Nach acht Wochen können die Blutergüsse nicht mehr auf die OP zurückgeführt werden. Andere Ursachen können zum Beispiel eine Infektion oder eine verstärkte Narbenbildung sein. Das sollte sich ein Orthopäde anschauen.

Stimmt es, dass nach einer Hüft-OP bald darauf die nächste folgt?

Nein, aber das passiert schon recht häufig. Es kann aber durchaus sein, dass der Patient erst einmal mehrere Jahre mit nur einem künstlichen Hüftgelenk zurechtkommt.

Hilft Osteopathie gegen Hüftschmerzen?

Bei einer beginnenden Verschleißerkrankung können damit muskuläre Beschwerden gemindert werden. Bei fortgeschrittener Arthrose ist der Effekt aber meist nur noch gering. Dasselbe gilt übrigens auch für andere alternative Heilmethoden wie Akupunktur.

Für die Arbeiten in Haus und Garten bin ich in unserer Familie zuständig: Fußboden wischen, Erdbeeren pflücken, Unkraut jäten. Darf ich mit meiner Total-Endoprothese so tief in die Hocke gehen?

Das hängt von der Stabilität Ihres Hüftgelenks ab. Die tiefe Hocke ist ungünstig, weil es eine typische Bewegung ist, die zur Ausrenkung des künstlichen Hüftgelenks führen kann. Gerade in der ersten Zeit nach der OP – etwa drei Monate – sollte man Bewegungen über den rechten Winkel hinaus meiden. Auch nach dieser Zeit kann die tiefe Hocke mit Gefahren verbunden sein. Im Zweifelsfall ist es besser, zu knien.

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