Krankenhausführer Sachsen

Winzige Ursache, großer Schmerz

Warum Steine in der Galle gefährlich sein können, wie man sie entfernt und wie man sich schützen kann, erklärten Experten am SZ-Lesertelefon.

Leserforum
Der eine leidet Höllenschmerzen, der andere merkt bis zum Lebensende nichts davon: Gallensteine sorgen bei Betroffenen immer wieder für Fragen. Sie beantworteten zwei Stunden lang die Leserfragen: Dr. Matthias Becker (Freital), Prof. Dirk Uhlmann (Döbeln) und MUDr. Robert Donoval (Hoyerswerda).

Bei mir wurde zufällig ein Gallenstein mit etwa 1,5 Zentimeter Durchmesser entdeckt. Ich habe keine Beschwerden. Sollte ich den Stein trotzdem vorsichtshalber entfernen lassen?

Nein. Solange Sie keine Beschwerden haben, genügt es, wenn Sie aller zwei Jahre eine Ultraschall-Untersuchung durchführen lassen. Erst wenn der Stein größer wird und einen Durchmesser von drei Zentimetern erreicht, könnte eine OP sinnvoll sein. Anders ist das bei Patienten, die Beschwerden mit ihren Steinen oder Steine im Gallengang haben. Sie leiden meist unter Fieber, Gelbsucht, Schüttelfrost oder Bauchschmerzen. Dann müssen die Steine entfernt werden.

Ich habe einen Gallenstein, der schon über drei Zentimeter groß ist. Trotzdem sagt mein Arzt, dass ich ihn nicht unbedingt entfernen lassen muss. Was raten Sie?

Die Entscheidung ist individuell sehr verschieden. Große Steine können Gallenblasenkrebs hervorrufen. Wenn zum Beispiel in der Familie ein erhöhtes Krebsrisiko besteht oder wenn die Gallenblasenwand verkalkt ist, raten wir zur OP.

Ich bin 65 Jahre alt. Nach einem Kaiserschnitt litt ich unter einer Lungenembolie, habe stark schwankenden Blutdruck und Herzprobleme. Kommt bei mir eine Schlüsselloch-OP infrage, um die Gallensteine zu entfernen?

In Ihrem Fall ist die Schlüssellochtechnik möglich, da der Kaiserschnitt im Unterbauch liegt, schon viel Zeit vergangen ist und die Vernarbung keine Rolle mehr spielt. Prinzipiell ist die Schlüsselloch-OP für den Patienten schonender – der Operationsstress und die Schmerzen sind einfach geringer.

Ich habe kleine Gallensteine; schon meine Mutter, die Schwester und beide Omas hatten welche. Ich habe Angst vor einer Operation. Können die kleinen Steine vielleicht auch aufgelöst werden?

Wenn Steine noch klein und nicht verkalkt sind – sogenannte Cholesterinsteine –, können sie unter bestimmten Umständen mit speziellen Medikamenten aufgelöst werden. Zur Erfolgsquote gibt es aber keine wissenschaftlichen Studien. Meistens kommen die Steine aber wieder. Bei Pigmentsteinen helfen Medikamente überhaupt nicht.

Nach der Entfernung der Gallenblase haben sich bei mir Steine in den Gallengängen gebildet. Was kann man dagegen tun?

In unseren Breiten ist es sehr selten, dass sich Steine auch im Gallengang bilden. Man kann sie auf zwei Wegen entfernen. Die erste Möglichkeit: Der Patient schluckt einen Schlauch, über den der Arzt dann die Steine entfernt. Sie dürfen allerdings nicht mit der Wand vom Gallengang verwachsen sein oder in den kleinen Gallengängen innerhalb der Leber liegen. In diesen Fällen kommt nur noch eine OP infrage.

Bei mir wurden schon ein Gallenstein entfernt und die Gallengänge von Grieß gereinigt. Was kann ich gegen die Neubildung von Gallensteinen tun?

Es gibt nicht die eine Ursache, auf die man das Entstehen von Gallensteinen zurückführen könnte. Generell leiden Frauen und ältere Menschen häufiger darunter. Hormone wie Östrogene befördern das Risiko, zu erkranken. Wer Übergewicht hat und oft fettig isst, muss eher mit Steinen rechnen. Außerdem haben Gallensteine erbliche Ursachen. Aus diesen Gründen kann man keine einfache Prophylaxe empfehlen. Achten Sie darauf, gesund zu leben, sich viel zu bewegen und häufig zu trinken. Medikamente helfen in keinem Fall.

Wie funktioniert eigentlich die Verdauung ohne Gallenblase?

Die Leber produziert bis zu zwei Liter Gallenflüssigkeit pro Tag. Wenn die Gallenblase nicht mehr im Körper ist, fehlt quasi der Zwischenspeicher, sodass die Gallenflüssigkeit kontinuierlich in den Zwölffingerdarm fließt. Das ist also kein Problem. Kurz nach der OP sollten Patienten allerdings Zurückhaltung bei fettigem Essen üben und austesten, was ihr Körper verträgt.

Bei mir kam es zu einer Gallenkolik, bei der sich auch die Bauchspeicheldrüse entzündete. Jetzt soll ich mir die Gallenblase entfernen lassen. Ist das richtig?

Wenn noch kleine Steine in der Gallenblase sind, besteht die Gefahr, dass diese sich lösen und in den Gallengang wandern. Dort können sie sowohl den Gallengang als auch den Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse verstopfen. Die daraus resultierende Bauchspeicheldrüsenentzündung kann unter Umständen lebensgefährlich sein. Deshalb empfehlen wir die prophylaktische Entfernung der Gallenblase, wenn Sie bereits eine Gallenkolik hatten.

Was macht man, wenn bei einer Schlüsselloch-OP der Gallengang verletzt wird?

Wenn die Verletzung während der OP bemerkt wird, erfolgt ein Wechsel zur offenen OP. Wird die Verletzung erst nach der OP festgestellt, dann versucht man, diese Stelle endoskopisch abzudichten; dabei wird eine Gallengang-Endoprothese – sie ähnelt einem Strohhalm – gelegt. Größere Verletzungen müssen chirurgisch behandelt werden.

Im Jahr 1988 wurden mir zwei größere Gallensteine entfernt, nachdem ich mehrere Jahre mit Beschwerden lebte. Jetzt habe ich wieder Schmerzen. Könnten das erneut Steine sein?

Ja, das ist möglich. Um das abzuklären, sollten Sie zu einer Ultraschall-Untersuchung gehen. Andere Ursachen könnten ein Magengeschwür oder eine Magenschleimhautentzündung sein. Bringt der Ultraschall keine Klarheit, sollten Sie sich einer Magenspiegelung unterziehen.

Ich war wegen einer Gallenblasenentzündung im Krankenhaus und wurde mit Antibiotika behandelt. Jetzt habe ich gehört, dass man das sofort operiert. Was ist richtig?

Um die akute Entzündung abklingen zu lassen, hat man lange Zeit zunächst Antibiotika gegeben. Heute ist man dazu übergegangen, die Gallenblase sofort zu entfernen. Das ist für den Chirurgen zwar anspruchsvoller. Der Patient muss aber nur einmal ins Krankenhaus, und ihm bleiben Risiken wie das Platzen der Gallenblase erspart. Auch die Heilungsphase wird damit verkürzt. Falls die Behandlung dennoch mit Antibiotika eingeleitet wird, sollte die Gallenblase trotzdem nach sechs bis acht Wochen entfernt werden.

Bei mir wurden bei einer Ultraschall-Untersuchung Gallenblasen-Polypen festgestellt. Muss ich mich operieren lassen?

Wenn die Polypen größer als ein Zentimeter sind, weiterwachsen oder sie sehr zahlreich auftreten, sollte die Gallenblase entfernt werden, damit daraus kein Gallenblasenkrebs entsteht.

Bei mir muss die Gallenblase raus, bin aber im dritten Monat schwanger. Ist noch eine Schlüsselloch-OP möglich?

Ja, das geht noch bis zum sechsten Monat. Später würde man der Patientin eine Operation erst nach der Entbindung empfehlen. Chirurgen, Gynäkologen und Anästhesisten arbeiten dabei eng zusammen.

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