Krankenhausführer Sachsen

Ist Wein gesund fürs Herz?

Verstopfte Herzkranzgefäße führen jedes Jahr zu Zehntausenden Todesfällen. Beim Telefonforum sagten Experten, wie man das Risiko begrenzen kann. Er kann aus heiterem Himmel kommen oder sich auf diffuse Weise ankündigen – und niemand ist davor gefeit. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, der Erkrankung vorzubeugen.

Leserforum
Diese Kardiologen beantworteten die Leserfragen: Dr. Hans Neuser (Plauen), Marcel Walter (Annaberg), Prof. Johannes Schweizer und Dr. Michael Schubert (beide Chemnitz/v.l.n.r.).

Ich habe Atembeschwerden und Druck im Brustbereich, und ich möchte mich untersuchen lassen. Wen spreche ich an: den Hausarzt oder direkt einen Herzspezialisten?

Sie sollten zu Ihrem Hausarzt gehen. Er wird Sie dann an einen Herzspezialisten überweisen, wenn das erforderlich ist. Der Hausarzt kennt Ihre familiäre Vorgeschichte und kann das Risiko einschätzen. Sind die von Ihnen geschilderten Beschwerden aber sehr plötzlich eingetreten und sehr schwerwiegend, sollten Sie sogar einen Notarzt rufen.

Ich bin 70, sehr aktiv und habe normale Blutdruck- und Blutwerte. Mein Vater starb am Herzinfarkt, meine Mutter hatte einen Schrittmacher und einen Herzklappenersatz. Vor einigen Tagen war mir schon morgens übel, beim Sport war ich schwach, und kalter Schweiß brach aus. Zu Hause legte ich mich hin, dann wurde es besser. Hätte ich den Notarzt rufen sollen?

Die Beschwerden und Ihre familiäre Vorbelastung könnten für eine Herzerkrankung sprechen. Wir empfehlen Ihnen, sich beim Kardiologen anzumelden und sich dort mit Belastungstests und anderen kardiologischen Methoden untersuchen zu lassen. Sie sollten in regelmäßiger Kontrolle bleiben.

Können meine Gefäße verkalken, wenn ich viel Milch oder kalziumreiches Mineralwasser trinke? Und wie ist das mit dem Eieressen bei hohem Cholesterinspiegel?

Das Kalzium in der Nahrung ist nicht verantwortlich für eine Gefäßverkalkung. Diese wird durch hohe Blutfette begünstigt und wenn Sie sich zu wenig bewegen. Deshalb sollten Sie auch auf einen guten Cholesterinspiegel achten. Eier allein sind keine große Gefahr, wenn es bei normalen Verzehrmengen bleibt. Achten Sie eher auf ballaststoffreiche und fettarme Ernährung sowie einen bewegten Alltag.

Ist Wein gesund für die Gefäße und fürs Herz?

Nein. Wein ist kein Gesundheitselixier, da Alkohol ein großes Suchtpotenzial hat. Die sekundären Pflanzenstoffe des Rotweins sind auch im roten Traubensaft enthalten. Eine geringe Menge Alkohol ist erlaubt. Männer sollten aber nicht mehr als einen Schoppen, Frauen nicht mehr als ein kleines Glas Wein pro Tag trinken.

Kann man auch Brustschmerzen haben, obwohl die Blutgefäße frei sind? Ich habe Blutdruckwerte um 160 zu 100.

Ja, häufig hat man auch bei hohem Blutdruck Schmerzen. Ihr Blutdruck sollte medikamentös gesenkt werden. Ursachen für Brustschmerzen können aber auch Rückenprobleme sein oder Muskelverspannungen.

Wie kann man verschlossene Herzkranzgefäße in der Diagnostik sichtbar machen?

Das geht entweder indirekt über Belastungstests und Herz-Ultraschall. Damit wird die geringere Herzleistung deutlich gemacht. Außerdem gibt es die Myokardszintigrafie. Das ist ein nuklearmedizinisches Verfahren, ein Cardio-CT – eine Röntgenuntersuchung, oder ein Stress-MRT, ein Belastungstest mit Kernspintomografie. Das Gefäß selbst kann exakt aber nur mit dem Herzkatheter dargestellt werden.

Wie lange habe ich bei einem Herzinfarkt Zeit, bis eine Behandlung beginnen sollte?

Die Zeitspanne sollte so kurz wie möglich sein, denn der Herzmuskel kann nur für sehr kurze Zeit Sauerstoff entbehren. Die Zerstörung mit Narbenbildung beginnt schon nach ein bis drei Stunden. Der Transport ins Krankenhaus sollte mit dem Notdienst oder Notarzt erfolgen. Das Ziel muss immer eine möglichst schnelle Wiedereröffnung des verschlossenen Gefäßes sein.

Mein Mann hat zwei statt vier Bypässe erhalten, weil nur zwei Herzkranzgefäße mit körpereigenem Material versorgt werden konnten. Was passiert mit den anderen kranken Gefäßen?

Die nicht überbrückten Herzkranzgefäße kann man mit einem Stent oder medikamentös versorgen. Die Methode richtet sich unter anderem nach dem Beschwerdebild des Patienten.

Nachdem ich vor einem Jahr einen Stent bekommen habe, musste ich zwei Blutverdünner einnehmen. Davon wird einer jetzt abgesetzt. Ist das richtig? Wie erfolgt die Nachkontrolle?

Das ist richtig. Im ersten Jahr werden meist zwei Blutverdünner, nach einem Jahr nur noch einer gegeben, um das Blutungsrisiko zu reduzieren. Die Nachkontrolle erfolgt jährlich beim Kardiologen, unter anderem mit Herz-Ultraschall und Belastungs-EKG. Eine Herzkatheteruntersuchung zu Kontrollzwecken ist nur im Ausnahmefall angezeigt.

Wonach richtet es sich, wie lange man nach einer Stentversorgung Blutverdünner nehmen muss?

Das ist abhängig von der Art des Stents, der in das Gefäß eingebracht wurde. Medikamentenbeschichtete Stents müssen zum Beispiel etwas länger nachbehandelt werden. Die Auswahl des Stents wiederum hängt vom Gefäßbefund und den Begleiterkrankungen ab.

Mein Zahnarzt hat mir eine Operation empfohlen. Da ich aber seit Kurzem aufgrund meines Stents zwei Blutverdünner einnehme, möchte er den Eingriff nicht durchführen. Kann ich die Medikamente absetzen?

Nein, davon raten wir Ihnen ab, denn es besteht die Gefahr, dass sich der Stent zusetzt und Ihre Herzdurchblutung leidet. Ein Jahr – bei dringenden Operationen auch nur ein Dreivierteljahr – sollte die Behandlung durchgehalten werden. Danach wird meist ein Blutverdünner abgesetzt. Unter einem solchen Medikament ist eine Zahnbehandlung in der Regel möglich.

Im Juli hatte ich einen Herzinfarkt und war anschließend zur Reha. Jetzt habe ich wieder Beschwerden und mache mir Sorgen, dass wieder etwas ist.

Nach etwa drei Monaten kommt es bei fünf bis zehn Prozent der Infarktpatienten zu erneuten Gefäßverengungen. Deshalb wäre kurzfristig eine ärztliche Kontrolle anzuraten. Wenn eine Wiederverengung ausgeschlossen ist, sollten Sie Ihre körperliche Aktivität wieder aufnehmen. Empfehlenswert ist der Anschluss an eine Herzsportgruppe. Diese sind ärztlich angeleitet. Neben dem Zuwachs an Fitness erhalten Sie auch das nötige Selbstvertrauen und die Sicherheit im Umgang mit Ihrer Krankheit.

Ich hatte vor drei Monaten einen Herzinfarkt. Wann darf ich wieder Auto fahren?

Zwei bis drei Monate nach dem Infarkt können Sie wieder selbst fahren, wenn bei Ihnen kein Schwindel oder keine Bewusstlosigkeit mehr auftritt und Sie medikamentös stabil eingestellt sind.

Muss ich nach einem überstandenen Herzinfarkt wirklich dauerhaft Medikamente einnehmen?

Ja. Die meisten Patienten bekommen ASS zur Blutverdünnung. Hinzu kommen sogenannte Blutfettsenker (Statine) und in vielen Fällen auch Betablocker gegen Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen, vor allem bei schlechter Herzleistung. Bei Herzschwäche kommen noch ACE-Hemmer dazu.

Kontakt | Impressum