Krankenhausführer Sachsen

Herz aus dem Takt

800 000 Deutsche leiden an Vorhofflimmern. Experten beantworteten am Lesertelefon Fragen rund um Herzprobleme.

Leserforum
Sie beantworteten die Fragen der Leser: Dr. Jörg Patzschke (Elblandklinikum Meißen), Dr. Christine Karbaum (Städt. Klinikum Görlitz), Prof. Ruth H. Strasser (Herzzentrum Dresden) und Prof. Stefan Spitzer (Praxisklinik Herz und Gefäße Dresden, von links).

Um fit zu bleiben, betreibe ich Kraftsport. Jetzt wurden bei mir Herzrhythmusstörungen festgestellt. Darf ich den Sport weitermachen?

Besser nicht, denn beim Kraftsport wird ein starker Druck auf den Brustkorb ausgeübt. Das ist ungünstig. Besser wäre Ausdauersport wie Walking, Radfahren, Schwimmen oder Joggen. Die Intensität wählen Sie so, dass Sie sich dabei unterhalten können. Davon profitiert Ihr Herz-Kreislauf-System am meisten.

Mein Herzschlag ist zu langsam und ich leide unter Schwindel. Was kann ich dagegen tun? Bislang nehme ich keine Medikamente ein.

Ihr Arzt sollte Sie mithilfe eines Langzeit-EKGs untersuchen. Damit lässt sich messen, wie langsam Ihr Herzschlag ist und ob es dabei auch zu kurzzeitigen Herzstillständen kommt. Wenn das Langzeit-EKG keinen Aufschluss bringt, bietet sich die Implantation eines sogenannten Ereignisrecorders an, der die Herztätigkeit bei Störungen aufzeichnet. So lässt sich feststellen, ob Sie von einem Herzschrittmacher profitieren.

Ich habe einen Herzschrittmacher und spüre immer Extraschläge im Bauch. Das ist unangenehm. Was kann das sein?

Der Strom aus dem Herzschrittmacher kann auch das Zwerchfell erregen, das führt zu Symptomen, die einem Schluckauf ähneln. Der Schrittmacher müsste kontrolliert und neu programmiert werden.

Den Schrittmacher, den ich einmal eingesetzt bekommen habe, benötige ich jetzt nicht mehr. Was passiert mit den Herzschrittmachersonden?

Diese Sonden kann man im Herzen belassen, wenn sie Ihnen keine Beschwerden bereiten. Alternativ können sie aber auch entfernt werden, was allerdings einer größeren Operation bedarf.

Wie stellt man fest, ob die Batterie eines Schrittmachers noch in Ordnung ist?

Dafür kann der Arzt im Rahmen der Schrittmacher-Abfrage Tests durchführen. In der Regel kann er sehr genau bestimmen, wie lange die Batterie noch hält.

Ich habe seit Jahren einen Herzschrittmacher mit zwei Elektroden. Im Lauf der Zeit ist das Herz trotzdem schwach geworden. Ist es möglich, eine dritte Elektrode zum Herz zu legen?

Ja, grundsätzlich geht das unter bestimmten Voraussetzungen, zum Beispiel, dass eine geeignete Vene vorhanden ist.

Ich habe Vorhofflimmern mit sehr hohen Frequenzen, zum Teil 120 Schläge pro Minute. Mein Hausarzt schickte mich zur Stromstoßbehandlung. Der Erfolg hielt nur eine Woche. Was kann ich jetzt tun? Kann der Stromstoß Spätfolgen haben?

Spätfolgen sind unwahrscheinlich. Die Medikamente zur Blutverdünnung sollten Sie weiter nehmen, um einem Schlaganfall vorzubeugen. Helfen könnte Ihnen eine sogenannte Ablation. Das ist eine Verödung des Bereichs um die Lungenvenen.

Warum muss ich bei Vorhofflimmern Blutverdünner nehmen?

Beim Vorhofflimmern wird der Vorhof nicht richtig mit Blut durchspült, das kann zum Verklumpen des Blutes führen. Diese Gerinnsel wandern in über 60 Prozent der Fälle zuerst zum Gehirn, was einen Schlaganfall auslösen kann. Blutverdünner sollen vor allem einem Schlaganfall vorbeugen.

Ich habe Vorhofflimmern und nehme Blutverdünner ein. Dadurch kam es oft zu Blutungen. Gibt es Alternativen?

Ein sogenannter Vorhofohr-Verschluss wäre empfehlenswert. Dabei wird das linke Herzohr mechanisch verschlossen. Die Vorhofohren sind Ausstülpungen an den Vorhöfen des Herzens. Das linke Herzohr ist bei Patienten mit Vorhofflimmern ein häufiger Entstehungsort für Blutgerinnsel, was zum Schlaganfall führen kann. Das rechte Herzohr ist ein möglicher Entstehungsort für Thromben. Diese können eine Lungenembolie zur Folge haben.

Ich bin 73, habe mehrere Stents und leide unter Vorhofflimmern. Wie kann ich es wieder loswerden?

Es gibt Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen. Allerdings kommen bei Ihnen wegen der Herzkranzgefäßerkrankung nur wenige davon infrage. Die Alternative dazu ist die Herzkatheterablation. Dabei werden die Ursprungsstellen des Vorhofflimmerns, die Lungenvenen, verödet. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie nach der OP kein Flimmern mehr haben, liegt bei etwa 60 bis 70 Prozent.

Bei mir wurde erstmals Vorhofflimmern festgestellt. Ich bin 52 Jahre alt und übergewichtig. Ich nehme ASS 100 ein. Empfehlen Sie mir eine Stromstoßbehandlung?

Sie sollten auf Blutverdünner eingestellt werden, um einem Schlaganfall vorzubeugen. Nach vierwöchiger Behandlung ist eine Stromstoßbehandlung sinnvoll. Alternativ kann auch zeitnah durch eine Schluck-Ultraschall-Untersuchung ein Blutgerinnsel im linken Vorhof ausgeschlossen werden. Dann ist eine elektrische Stromstoßbehandlung (Kardioversion) auch sofort möglich. Sie sollten unbedingt etwas gegen Ihr Übergewicht tun.

Ich bin 71 Jahre alt und habe häufig Pulsaussetzer, bin auch schon zweimal bewusstlos zusammengebrochen. Ein Langzeit-EKG hat Vorhofflimmern ergeben. Jetzt nehme ich Pradaxa ein. Ist das richtig?

Die Blutverdünnung mit Pradaxa ist bei Vorhofflimmern eine sinnvolle Therapieoption. Die Bewusstlosigkeit muss aber gesondert abgeklärt werden, denn sie ist nicht typisch. Wenn keine Ursache gefunden wird, kann ein sogenannter Ereignisrecorder eingesetzt werden.

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