Krankenhausführer Sachsen

Endlich schmerzfrei laufen

Ein künstliches Kniegelenk kann die Lebensqualität verbessern. Experten erklären am SZ-Telefon, wann es Sinn hat.

Leserforum
Sie beantworteten die Fragen der Leser: Dr. Randolf Pirtkien (Kliniken Erlabrunn), Dr. Lutz Engelmann (HBK Zwickau), Dr. Erik Hauffe (Krankenhaus Rochlitz), Dr. Mario Dietzel (Paracelsusklinik Reichenbach/V., Prof. Rudolf Ascherl (Zeisigwaldklinik Bethanien Chemnitz; von links).

Ich bin 50 und wandere gern. Jetzt schmerzt mein Knie bergab. Ist das schon Arthrose? Mein Arzt lächelt nur, wenn ich die Beschwerden vortrage.

Er freut sich bestimmt über Ihre Aktivität. Aber es ist wahrscheinlich eine Überlastungsreaktion der Kniescheibe. Denn das Bergabgehen beansprucht das Gelenk mehr als bergauf. Der Beginn einer Arthrose ist durchaus möglich. Bleiben Sie in jedem Fall so aktiv, Schmerzmittel und die Nutzung von Walkingstöcken können Erleichterung bringen. Aber Inaktivität verschlechtert die Gelenkgesundheit.

Nachdem ich Schmerzen im Knie hatte, bekam ich Spritzen mit Hyaluronsäure. Danach war ich wieder fit. Die 159 Euro dafür musste ich bezahlen, obwohl ich meiner Kasse 13 000 Euro für einen Gelenkersatz erspart habe. Warum zahlt sie nicht die günstigere Behandlung?

Wir als Ärzte verstehen das auch nicht. Doch die Kassen begründen das immer mit der nicht ausreichenden Studienlage. Vielleicht lohnt sich ein gesonderter Antrag bei Ihrer Krankenkasse, in dem Sie sie auf die Kosteneinsparung hinweisen.

Nach langem Stehen und Laufen auf schrägem Hang bekomme ich massive Beschwerden. Ich kann anschließend kaum Auto fahren (Kupplung treten). Auch das Treppensteigen ist nur unter Schmerzen möglich. Brauche ich ein neues Gelenk?

Nicht zwangsläufig. Sie sollten sich bei Ihrem Orthopäden untersuchen lassen, insbesondere die Wirbelsäule. Denn auch ein kranker Rücken kann Schmerzen im Knie auslösen. Halten die Schmerzen über Nacht an, sollten Sie zusätzlich auf eine entzündliche Erkrankung hin untersucht werden.

Aufgrund meiner Arthrose und der Entfernung einer Zyste in der Kniekehle wurde mir zum Kunstgelenk geraten. Kann man mit Knorpelersatz auch etwas erreichen?

Die Baker-Zyste ist ein Anzeichen für Abnutzung. Bei hochgradiger Arthrose und fortgeschrittenem Lebensalter bringt ein Knorpelersatz nichts mehr.

Muss das Knie immer komplett ersetzt werden oder reicht auch eine Teilprothese?

Eine Teilprothese kann dann eingesetzt werden, wenn nur ein Gelenkabschnitt betroffen ist. Sie dürfen auch kein Übergewicht haben, keine größeren Fehlstellungen des Beines und die Bänder an den Gelenken müssen intakt sein. Diese Voraussetzungen werden vor jedem Gelenkersatz geprüft. Der Arzt ist verpflichtet, Ihnen Alternativen zum Komplettersatz zu nennen.

Ein neuer Trend sind Prothesen speziell für den jeweiligen Patienten gefertigt. Sind die wirklich besser ?

Es gibt noch keine Langzeitergebnisse, mittelfristige Resultate sind aber viel versprechend. Diese Operationsmethode wird jedoch nicht in allen Kliniken angeboten.

Ist Gelenkersatz mit 80 noch sinnvoll?

Aber ja. Es kommt nicht aufs Lebensalter, sondern auf Ihren Gesundheitszustand und Ihre Aktivität an. Wenn die Aktivität durch den Gelenkersatz profitieren kann, ist das auf jeden Fall sinnvoll.

Nach der Gelenk-OP tut mein Knie weh, ist rot, geschwollen. Was kann das sein?

Das kann eine Entzündung sein. Für die weitere Diagnostik wird manchmal eine Punktion erforderlich.

Nach der Kniegelenk-OP wollte ich vom Operateur nachuntersucht werden. Das wurde abgelehnt, ich soll zum überweisenden Arzt gehen. Warum?

Krankenhäuser haben dafür keine Kapazitäten, dürfen diese Leistung auch nicht abrechnen, da es eine ambulante Nachbehandlung ist. Medizinische Versorgungszentren können dies mitunter, sie nehmen eine Zwischenstellung im Gesundheitssystem ein.

Wie oft muss das künstliche Kniegelenk kontrolliert werden?

Ein Vierteljahr nach der Operation sollte die erste ärztliche Untersuchung erfolgen. Danach jährlich und bei Beschwerden.

Meine Frau hat drei Monate nach der OP noch Schmerzen. Ist das normal?

Ja, bis zu zwei Jahre können die Einschränkungen und Schmerzen noch anhalten, sollten aber langsam weniger werden. Andernfalls sollte sich Ihre Frau noch einmal bei ihrem Orthopäden vorstellen.

Bleibt man nach der OP im Krankenhaus, bis die Fäden gezogen sind?

Das ist empfehlenswert. Im Schnitt werden die Patienten etwa nach zwölf Tagen entlassen. Früher macht es wenig Sinn, denn die ambulante Nachbehandlung oder häusliche Betreuung ist dann oft nicht zu organisieren. Ein Patient sollte nur mit stabiler und trockener Wunde entlassen werden, um den Heilerfolg nicht zu gefährden.

Wie oft sind Nach-Operationen erforderlich und warum?

Sie sind sehr selten, etwa bei zwei bis vier Prozent der Patienten. Ursachen sind Wundheilungsstörungen direkt nach der OP, Sturzverletzungen, Infektionen und Lockerungen.

Im Januar wurde mir eine Kniegelenkprothese eingesetzt. Ich kann das Knie gut beugen, jedoch maximal 600 Meter laufen. Dann schwillt das Gelenk auch an. Der Arzt sagt, die Prothese sitze gut. Was kann das sein?

Das kann ein Reizzustand nach der Operation sein. Es kann bis zu zwei Jahre dauern, bis diese Beschwerden abklingen. Die Schwellung sollte aber untersucht werden, zum Beispiel mit einer Punktion.

Vor anderthalb Jahren bekam ich ein neues Kniegelenk. Einige Zeit später hatte ich am ganzen Körper rote Flecken, die inzwischen bleibend sind. Kann es eine allergische Reaktion sein?

Prinzipiell ist das möglich. Genau weiß man das aber erst nach einem Hauttest auf Knochenzement, Metall und die anderen Inhaltsstoffe der Prothese.

Wann ist Knorpelersatz sinnvoll?

Sie sollten nicht über 50 sein und keine Zusatzschädigungen im Gelenk (Meniskusschaden) haben. Bei einem isolierten, allschichtigen und hochgradigen Knorpelschaden kann der Knorpelersatz angezeigt sein. Das gilt auch bei unfallbedingter Knorpelaussprengung.

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