Krankenhausführer Sachsen

Gefährliche Knoten

Die meisten erkranken zwischen 50 und 69 an Brustkrebs. Am Telefon beantworteten Spezialisten Fragen zu Chancen und Grenzen der Behandlung.

Leserforum
Sie beantworteten die Fragen der Leserinnen: Dr. Wolfgang Hensel (Rodewisch), Prof. Frank Förster (Chemnitz), Prof. Pauline Wimberger (Uniklinikum Dresden) und Dr. Boris Mareck (Dresden-Neustadt).

Ärzte raten immer, die Brust regelmäßig vorsorglich abzutasten. Doch woran erkenne ich, welche Verhärtungen harmlos und welche eventuell gefährlich sein könnten?

Die Unterschiede sind für Laien schwer festzustellen. Hilfreich sind sogenannte Mammacare-Kurse. Dabei wird an Silikonmodellen, in die die möglichen Knoten eingearbeitet sind, der Unterschied deutlich. Die Kurse werden zum Beispiel in den Brustkrebszentren in Dresden angeboten. Die Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten.

Welche Nachuntersuchungen sind nach einer Krebserkrankung notwendig?

Die reguläre Empfehlung sieht folgendermaßen aus: In den ersten drei Jahren werden die Frauen alle drei Monate bei ihrem Gynäkologen untersucht, die nächsten zwei Jahre alle halbe Jahre und danach einmal jährlich. Dabei werden die Brust abgetastet sowie eine Ultraschall-Untersuchung und Mammografie durchgeführt. Individuell kann der Arzt aber auch andere Untersuchungszyklen festlegen. Tumormarker – das sind Substanzen im Blut, die auf einen Tumor hinweisen können – werden für den Routineeinsatz nicht empfohlen.

Ich habe Angst vor einer Bestrahlung. Kann ich mich stattdessen für eine Antihormonbehandlung entscheiden?

Bei brusterhaltender Therapie wird Bestrahlung regelmäßig empfohlen. Doch auch nach Brustentfernung kann sie erforderlich sein. Gründe, sich davor zu fürchten, gibt es eigentlich nicht. Sie sollten darüber offen mit Ihrem Arzt sprechen. Er muss Sie umfassend aufklären. Die Nebenwirkungen sind etwa mit einem Sonnenbrand vergleichbar, viele spüren aber auch gar nichts. Die antihormonelle Therapie ist keine Alternative zur Bestrahlung, sondern verfolgt einen völlig anderen Behandlungsansatz.

Wie verträglich ist die Antihormontherapie? Ich leide unter Nebenwirkungen wie Knochen- und Gelenkschmerzen.

Jeder reagiert individuell anders darauf. Die Antihormontherapie, die bei hormonempfindlichen Tumoren empfohlen wird, ist allgemein gut verträglich. Die Nebenwirkungen sind mit denen einer Chemotherapie nicht zu vergleichen. Die Knochenbeschwerden kommen bei sogenannten Aromatasehemmern vor. Bei dieser Medikamentengruppe gibt es aber verschiedene Wirkstoffe, sodass man bei starker Beeinträchtigung auch wechseln kann. Tamoxifen ist eine andere Medikamentengruppe zur antihormonellen Behandlung. Sie wäre auch eine Alternative.

Wie lange dauert die antihormonelle Behandlung?

Empfohlen werden nach neuesten Leitlinien nicht nur fünf, sondern zehn Jahre bei nicht metastasierenden Tumoren. Frauen mit Metastasen und hormonempfindlichen Tumoren wird sogar eine lebenslange Behandlung empfohlen.

Wie hoch ist das Risiko, dass der Krebs wiederkommt?

Es gibt keine Sicherheit, dass nach einem bestimmten Zeitraum – ob fünf oder zehn Jahre – nichts mehr wiederkommt. Manche Tumoren brechen nach 20 Jahren wieder aus. Wichtig ist, einmal im Jahr zur Untersuchung zu gehen, um im Fall des Falles schnell reagieren zu können.

Haben Brustkrebserkrankungen zugenommen?

Ja, es gibt einen Anstieg, doch die Tumore werden früher erkannt und die Heilungschancen sind damit viel höher. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr – das ist auch der Zeitraum des Mammografiescreenings.

Seit 2008 habe ich nach einer Brustentfernung Implantate. Müssen die kontrolliert oder nach einer bestimmten Zeitspanne ausgetauscht werden?

Moderne Implantate – die von 2008 gehören dazu – halten lebenslang, sie müssen nicht zwangsläufig nach zehn Jahren ausgewechselt werden, wenn sie keine Beschwerden verursachen. Manchmal gibt es Bindegewebe-Verhärtungen um die Implantate, was für Schmerzen sorgt. Dann wäre eine OP sinnvoll. Ihr Arzt muss den Sitz der Implantate regelmäßig kontrollieren.

Meine Drüsenkörper sind sehr fest. Ist Mammografie da erfolgreich?

Die Routinevorsorge ist Tasten, Ultraschall und Mammografie. Der Radiologe hat die nötige Erfahrung und kann bei festem Drüsenkörper andere Diagnosemöglichkeiten empfehlen, wenn die Untersuchung nicht ausreicht.

In der Tabelle zur Behandlungsqualität steht „Röntgen der amputierten Brust“. Bei mir wurde nicht geröntgt. Wurde mir da etwas vorenthalten?

Nein. Das Röntgen der amputierten Brust ist nicht üblich. Geröntgt wird lediglich ein Präparat. Die Gewebeproben werden bei Mikrokalk oder unklaren Befunden ohne Tastergebnis vorgeschrieben.

Ist eine onkologische Behandlung auch noch mit 81 sinnvoll?

Natürlich. Denn das biologische Alter ist entscheidend, ebenso der Wille des Patienten, seine Aktivität und die sonstige körperliche Gesundheit.

Ich bin 71 Jahre alt und kann nicht mehr am Mammografiescreening teilnehmen. Habe ich noch ein Krebsrisiko? Sollte ich weiter zur Früherkennungsuntersuchung gehen?

Unbedingt. Denn das Krebsrisiko ist mit 71 immer noch da. Gehen Sie regelmäßig zur frauenärztlichen Untersuchung, wo auch die Brust abgetastet wird. Ihr Arzt kann Sie zur Mammografie überweisen, wenn es erforderlich ist, auch wenn Sie über das Screeningalter hinaus sind.

Nach meiner Krebserkrankung hatte ich eine Anschlussheilbehandlung. Habe ich Anspruch auf eine zweite Reha? Ich leide unter Knochenschmerzen und Müdigkeit.

Die zweite Reha wird in vielen Fällen abgelehnt. Sie sollten Widerspruch einlegen. Vor allem wenn Beschwerden hinzukommen, kann eine erneute Beantragung erfolgreich sein.

Die Mammografie ist für mich eine sehr schmerzhafte Angelegenheit, da ich sehr kleine Brüste habe und sie stark zusammengedrückt werden. Ist die Untersuchung trotzdem nötig?

Ja, denn die Mammografie findet Vorstufen der Tumoren, was andere Diagnoseverfahren nicht können. Sprechen Sie mit dem Radiologen über Ihre Beschwerden. Man kann den Druck auch individuell steuern, sodass es für Sie nicht so unangenehm ist.

Ich habe trotz Chemo Metastasen in Knochen und Leber. Jetzt bin ich frustriert.

Zu Unrecht. Denn wenn sich nichts verändert, dann ist das ein guter Befund und ein Zeichen für eine stabile Situation. Wenn Ihre Lebensqualität gut ist, dürfen Sie zufrieden sein. Metastasierende Tumoren sind chronische Erkrankungen. Sie sind auch jetzt noch nicht heilbar. Man muss mit ihnen leben wie mit Diabetes oder Herzrhythmusstörungen.

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