Krankenhausführer Sachsen

Wenn das Blut ins Stocken gerät

Verengte Halsschlagadern können einen Schlaganfall erzeugen. Wie man die Alarmzeichen richtig deutet, war Thema unseres Telefonforums.Die Anzeichen für einen Schlaganfall werden oft unterschätzt. Umso größer ist die Angst, bleibende Schäden davonzutragen. Beim Telefonforum beantworteten Experten die Fragen der Leser.

Leserforum

Für die Leser am Telefon (v. l.): Kerstin Haensel (Schlaganfallbüro Sachsen), Dr. Dirk Mucha (Krankenhaus Zwickau), Dr. Robert Elfers (Klinikum Chemnitz), Dr. Josef Böhm (Krankenhaus Freiberg).

Woran erkennt man einen Schlaganfall?

Typisch für einen Schlaganfall oder eine vorübergehende Durchblutungsstörung (TIA) sind einseitige Ausfälle oder Lähmungen. Zum Beispiel sieht man auf einem Auge nur verschwommen, kann sich nicht richtig artikulieren oder hat auf einer Körperseite kein Gefühl mehr. Kurzzeitige Ausfälle sind oft Vorstufen für einen Schlaganfall und sollten schnell behandelt werden.

Kann man im Ultraschall auch die Verkalkungen in den Gefäßen sehen?

Ja. Gute Geräte erlauben eine sehr detaillierte Diagnostik. Zusätzlich gibt die Fließgeschwindigkeit des Blutes Aufschluss über den Stenosegrad, also den Charakter der Gefäßeinengung.

Welche Fachärzte sind für Gefäßkrankheiten die richtigen Ansprechpartner?

Für die Diagnostik können Sie sich von Ihrem Hausarzt an einen Angiologen oder Gefäßchirurgen überweisen lassen. Ist eine Gefäßbehandlung nötig, vermitteln diese Fachärzte dann an sogenannte Gefäßzentren weiter, die meist Krankenhäusern angeschlossen sind.

Wenn ich (64) längere Zeit stehe, habe ich ein schmerzhaftes Brennen im äußeren Oberschenkel. Der Muskel wird hart und die Oberfläche warm. Nach etwa fünf Minuten Bewegung verschwinden diese Anzeichen wieder. Können das Durchblutungsstörungen sein?

Ihre Schilderung spricht gegen eine arterielle Durchblutungsstörung, denn bei dieser Erkrankung nehmen die Beschwerden bei längeren Gehstrecken eher zu. Ihre Beschwerden sollten Sie neurologisch abklären lassen. Zu vermuten wäre eine sogenannte Nervenreizung.

Meine Halsschlagader wurde bereits operiert. Als sich die Stelle wieder verengt hat, bekam ich einen Stent, der sich jetzt aber wieder zusetzt. Wie geht es für mich weiter?

Einen weiteren Stent einzubringen, würde das Gefäß noch mehr verengen. Deshalb wird vom Neuroradiologen die Engstelle mit einem medikamentenbeschichteten Ballon aufgedehnt. Die Erfolgsraten sind gut. Untersuchungen zeigten, dass die Gefäße langfristig offen bleiben.

Ich bin 84 und habe eine zu 40 Prozent verengte Halsschlagader. Wie wird das behandelt?

Zu Beginn ist es wichtig, die Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörung zu behandeln. Ratsam wären die Einnahme von Gerinnungshemmern und zur Kontrolle eine jährliche Ultraschalluntersuchung.

Meine hinteren Hirnschlagadern sind verschlossen. Sollte ich das operieren lassen?

Nein. Man hat das in früheren Jahren zwar empfohlen, doch die Ergebnisse waren nicht zufriedenstellend, sodass man heute davon abrät. Die beiden vorderen Halsschlagadern und ihre Umgehungskreisläufe übernehmen die Funktion dieser Adern. Eine regelmäßige Kontrolle der vorderen Halsschlagadern ist aber empfehlenswert.

Wie kann ich sichergehen, dass ich bei einer Gefäßerkrankung nicht unnötig operiert werde?

Wenn Sie sich an ein zertifiziertes interdisziplinäres Gefäßzentrum wenden, beraten Angiologen, Neurologen und Gefäßchirurgen über die Behandlung eines jeden Patienten. Damit wird sichergestellt, dass der Eingriff wirklich notwendig ist.

Ist es mit 85 Jahren noch sinnvoll, eine verengte Halsschlagader behandeln zu lassen?

Auf jeden Fall, denn ein Schlaganfall kann zur Invalidität und damit zur Pflegebedürftigkeit führen. Inwieweit die Stenose operativ, mit Stent oder medikamentös behandelt wird, ist unter anderem von Ihrem sonstigen Gesundheitszustand abhängig.

Kann man durch ein Screening nicht Schlaganfällen vorbeugen?

Ein allgemeines Screening, also eine flächendeckende Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader, ist nicht erforderlich. Menschen mit Risikofaktoren oder genetischer Belastung für Gefäßkrankheiten sollten sich aber regelmäßig per Ultraschall untersuchen lassen. Der Hausarzt kann dorthin überweisen. Für eine Behandlung im Krankenhaus benötigt man die Überweisung durch einen Fachinternisten.

Mit meinen 76 Jahren leide ich an Diabetes und Bluthochdruck. Bin ich bereits schlaganfallgefährdet?

Wenn Ihr Blutdruck und Blutzucker gut eingestellt sind, ist Ihr Risiko nicht wesentlich erhöht. Sie sollten Ihre Gefäße regelmäßig per Ultraschall untersuchen lassen. Eine Operation oder Behandlung ist nur dann erforderlich, wenn die Stenose über 70 Prozent beträgt.

Mein Mann (46) hatte im Februar einen Schlaganfall, der glücklicherweise sehr schnell erkannt und behandelt wurde. Wie hoch ist das Risiko, dass er wieder einen Schlaganfall erleidet?

Wenn die Ursache für den Schlaganfall gefunden und behandelt wurde, ist das Risiko für eine erneute Erkrankung eher gering. Wichtig ist die Kontrolle der Risikofaktoren, also die gute Einstellung von Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker. Bei neurologischen Ausfallerscheinungen sollten Sie nicht zögern und sofort einen Arzt kontaktieren.

Ich hatte im Sommer einen Schlaganfall und habe jetzt wieder Bewegungsstörungen in einem Bein. Bislang habe ich keine Physiotherapie oder andere Reha-Anwendungen erhalten. Mein Hausarzt sagt, ich bräuchte es nicht. Was kann ich tun?

Jeder symptomatische Schlaganfall erfordert eine neurologische Rehabilitation. Wenn das Ihr Hausarzt nicht veranlasst, können sie sich bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag holen. Die Kasse vermittelt Ihnen dann auch einen Ansprechpartner.

Ich leide oft unter Schwindel. Kann das ein Hinweis auf einen Schlaganfall sein?

Nein. Schwindel ist kein Schlaganfallsymptom, ebenso wenig wie Kopfschmerzen. Sie sollten die Ursache des Schwindels aber abklären lassen. Viele Krankheiten haben dieses Symptom. Niedriger Blutdruck könnte ein Grund sein, bei manchen Menschen gibt es auch Störungen am Gleichgewichtsorgan im Ohr.

Was kann ich tun, um mein Schlaganfallrisiko zu senken?

Indem Sie aufs Rauchen verzichten, sich viel und oft bewegen. Jeder Spaziergang an der frischen Luft hilft da schon, es muss kein Marathon sein. Sie sollten sich gesund und fettarm ernähren, empfehlenswert ist die mediterrane Kost mit reichlich ungesättigten Fettsäuren (gute, kaltgepresste Öle und Fisch), viel Gemüse, Verzicht auf Schweinefleisch und Zurückhaltung bei Süßem sowie maßvoller Alkoholgenuss.

Mir wurde vom Arzt ASS zum Gefäßschutz verordnet. Blutdruck, Cholesterin und andere Werte sind in Ordnung. Reicht das aus, um einem Schlaganfall vorzubeugen?

Ja, wenn alle anderen Risikofaktoren ausgeschlossen wurden, reicht die Behandlung mit ASS aus. Sie sollten aber trotzdem auf einen gesunden Lebensstil achten.

Wo gibt es in Sachsen Beratungsmöglichkeiten für Schlaganfallpatienten und ihre Angehörigen?

In Chemnitz befindet sich das einzige Schlaganfallbüro von Sachsen. Die Sozialarbeiterin kann Sie zum Beispiel bei der Beantragung von Rehaleistungen, der Wiedereingliederung ins Arbeitsleben sowie Pflegeleistungen unterstützen. Die Adresse: Regionales Schlaganfallbüro, Klinik für Neurologie, Dresdner Straße 178, 09131 Chemnitz, G 0371 33312350. Im Internet unter www.schlaganfallhilfe-chemnitz.de.

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