Krankenhausführer Sachsen

Tabuthema starke Blutungen

Hormone können helfen, aber sie sind umstritten. Experten informierten beim Telefonforum über Alternativen. Starke Blutungen, die Senkung der Gebärmutter, keine Lust auf Sex nach der OP: Beim Telefonforum zum Thema Frauenkrankheiten ging es vor allem um Tabuthemen.

Leserforum
Sie gaben Rat am Telefon: Dr. Stefan Hupfer (Werdau), Dr. Gero Teichmann (Plauen), Dr. Jens Schnabel (Chemnitz) und Dr. Gunnar Fischer (Mittweida).

Wegen starker unstillbarer Blutungen nehme ich (53) seit drei Jahren die Pille und komme gut damit zurecht. Ist die Einnahme in meinem Alter riskant?

Nicht grundsätzlich. Eine Fortsetzung der Hormontherapie sollte nur nach Abwägung der individuellen Risiken erfolgen. Sie könnten versuchen, die Pille abzusetzen. Bekommen Sie trotzdem eine starke Blutung, kann eine Verödung der Gebärmutterschleimhaut helfen. Zuvor sollte eine Ausschabung zur Abklärung der Ursache erfolgen.

Kann ein kirschkerngroßes Myom Schmierblutungen auslösen?

Wenn diese kleinen Myome direkt unter der Gebärmutterschleimhaut liegen, können durchaus Blutungsstörungen auftreten. Das kann man genau mithilfe einer Gebärmutterspiegelung abklären.

Gegen die Beschwerden durch Myome nehme ich derzeit das Medikament Esmya ein und fühle mich wohl. Was passiert nach dem Einnahmezyklus? Muss die Gebärmutter raus, oder kann ich die Tabletten weiter nehmen?

Sie können die Tabletten drei Monate nehmen, müssen dann einen Monat Pause machen und können die Behandlung dann nochmals drei Monate durchführen. Sollten die Beschwerden dennoch anhalten, kann eine Operation notwendig sein. Es laufen Studien, die eine längere Einnahme untersuchen, doch zugelassen ist das Mittel nur für die zweimalige dreimonatige Anwendung.

Aufgrund vieler Myome habe ich (52) starke Blutungen und heftige Bauchschmerzen. Was kann ich tun? Hormone lehne ich ab.

Bauchschmerzen sind im Zusammenhang mit Myomen eher untypisch. Die Ursachen dafür sollten abgeklärt werden. Von Darmbeschwerden über Verwachsungen bis hin zu einer Endometriose ist vieles denkbar. Kann dies alles ausgeschlossen werden, wäre eine Ausschabung anzuraten. Myome lassen sich auch ohne Hormone behandeln.

Ich bin 23, habe starke Blutungen und deshalb bereits eine Ausschabung hinter mir. Was kann ich noch tun?

Wenn Sie momentan keinen Kinderwunsch haben, wäre die Pille eine Möglichkeit. Damit kann man starke Blutungen regulieren.

Mir steht eine Gebärmutterentfernung bevor. Mein Arzt fragte mich, ob der Gebärmutterhals entfernt werden soll oder nicht. Was sind die Vor- und Nachteile?

Bleibt der Gebärmutterhals erhalten, kann sich dort, wenn auch in seltenen Fällen, Krebs entwickeln. Leichte Blutungen sind ebenfalls noch möglich. Senkungen sollen aber nach neueren Studien weniger auftreten, wenn der Gebärmutterhals als Stütze für den Beckenboden erhalten bleibt. Bei einer Entfernung durch die Scheide wird der Gebärmutterhals immer entfernt. Die Entscheidung über die Art der Operation sollten Sie individuell mit Ihrem Operateur treffen.

Wegen meiner Myome wurde bei mir eine Verödung durchgeführt. Ich habe keine Beschwerden mehr. Meine Ärztin empfiehlt mir dennoch eine Gebärmutterentfernung. Muss das sein?

Nein. Wenn Myome keine Beschwerden bereiten, muss die Gebärmutter nicht entfernt werden. Wichtig ist die regelmäßige ärztliche Überwachung.

Bei mir wurde mit 49 wegen eines Myoms die Gebärmutter entfernt. Es verlief alles gut. Mein Problem war, dass ich nach der OP beim Geschlechtsverkehr keinerlei Gefühl mehr hatte.

Solche Beschwerden werden im Zusammenhang mit der OP sehr selten geschildert. Prozentual geben hinterher sogar mehr Frauen an, zufriedener zu sein.

Kann man Gebärmutterhalskrebs vorbeugen?

Ja, es gibt eine Impfung gegen humane Papillomaviren. Sie wirkt gegen den größten Teil der krebsauslösenden Viren. Der größte Erfolg besteht, wenn die Impfung bereits vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgt. Außerdem sollten Sie regelmäßig die Früherkennungsuntersuchung beim Frauenarzt nutzen.

Ist es mit über 50 ratsam, den Hormonspiegel zu kontrollieren? Ist das eine Kassenleistung?

Wenn Ihre Blutung noch normal ist, haben Sie auch einen normalen Hormonspiegel. Er muss nicht kontrolliert werden. Eine Hormonbestimmung ist nur in Ausnahmesituationen nötig, zum Beispiel bei hormonaktiven Tumoren. In solchen Fällen ist das auch Kassenleistung.

Was sind Polypen, und wie behandelt man sie?

Polypen sind meist gutartige Wucherungen der Schleimhaut, die zu atypischen Blutungen führen können. Zur Überprüfung der Gutartigkeit ist eine Ausschabung zu empfehlen. Anschließend kann eine Verödung der Schleimhaut erfolgen.

Bei mir senkt sich die Gebärmutter. Wie wird das behandelt?

Grundsätzlich kann eine Senkung konservativ, das heißt mit Hilfsmitteln (Pessar), oder operativ erfolgen. Welche Behandlung bei Ihnen die richtige ist, kann man erst nach einer Untersuchung und Beratung in einer urogynäkologischen Sprechstunde sagen. Ergänzend können Physiotherapie und Beckenbodentraining hilfreich sein.

Welche Ursachen kann eine Senkung der Gebärmutter haben?

Die Hauptrisiken sind Geburten, höheres Alter, Übergewicht und angeborene Bindegewebsschwäche. Auch schwere körperliche Arbeit (Heben) oder Erkrankungen mit Druckerhöhung im Bauch, zum Beispiel chronischer Husten, können Auslöser sein.

Ich leide häufig unter Entzündungen und Pilzinfektionen im Genitalbereich und behandle das mit selbst gekauften Salben – bislang ohne Erfolg.

Sie sollten das von Ihrem Frauenarzt untersuchen lassen, um Zellveränderungen auszuschließen. Ein schwaches Hormonpräparat, das äußerlich aufgetragen wird, könnte helfen. Ursachen für häufige Entzündungen sind Übergewicht, hoher Blutzucker, längere Antibiotikaeinnahme, aber auch übertriebene Reinlichkeit. Die Behandlung ohne vorherige Diagnostik ist riskant.

Mein Arzt hat bei mir eine Zyste am Eierstock festgestellt. Ist das schlimm?

Wenn die Zyste nicht wächst und keine zusätzlichen Auffälligkeiten im Ultraschall bestehen, reicht die regelmäßige Beobachtung beim Frauenarzt. Bei jüngeren Frauen sind Zysten häufig und bilden sich auch oft von allein zurück.

Sind Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden gefährlich?

Nicht grundsätzlich. Sie sollten aber keine Leberkrankheit oder Thrombose haben. Bei starken Beschwerden sind Hormone für eine begrenzte Zeit und unter ärztlicher Kontrolle durchaus sinnvoll.

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